Wann kommt Nagelprothetik am Zehennagel infrage?
Bei der Nagelprothetik ersetzt die Praxis einen fehlenden oder stark beschädigten Nagel durch einen künstlichen. Der künstliche Nagel schützt das empfindliche Nagelbett vor Druck und Stößen. Außerdem sieht der Zeh wieder normal aus.
- Der Nagel ist nach einer Quetschung oder Verletzung ganz oder teilweise abgegangen.
- Der Nagel wurde in einer Operation entfernt, etwa wegen eines eingewachsenen Nagels.
- Der Nagel ist fehlgebildet, zum Beispiel durch Schuppenflechte.
- Der Nagel ist durch Druck gereizt und löst sich.
- Der fehlende Nagel belastet Sie seelisch, und der Zeh soll wieder normal aussehen.
Am häufigsten kommt ein künstlicher Nagel nach einem Unfall zum Einsatz, etwa wenn eine schwere Tür oder ein fallender Gegenstand den Nagel abgerissen hat. Der zweite häufige Anlass ist eine Operation, zum Beispiel an einem eingewachsenen Zehennagel. Der eigene Nagel braucht danach Monate, bis er nachgewachsen ist, und der künstliche überbrückt diese Zeit.
Bei Kindern ist ein künstlicher Nagel seltener sinnvoll, weil sich ihre Nägel meist schneller und vollständiger von selbst erholen.
Ein fehlender Zehennagel kann auch wehtun. Normalerweise schützt der Nagel die Zehenspitze vor Druck im Schuh. Fehlt er länger, kann die Zehenspitze schmerzhaft auf Druck reagieren, vor allem in engen, geschlossenen Schuhen.
Sagen Sie der Praxis vorher, was Ihnen wichtiger ist, der Schutz der Zehenspitze oder ein unauffälliges Aussehen. Für den Schutz reicht oft eine einfachere und günstigere Ausführung.
Woraus besteht ein künstlicher Zehennagel?
Die Praxis nutzt eines von drei Materialien. Gel härtet unter Licht aus, bleibt biegsam und fällt kaum auf. Kunstharz baut einen festen, belastbaren Nagel auf. Schutzschalen aus Silikon polstern das Nagelbett, ohne fest daran zu haften.
Welches Material passt, hängt vom Zweck ab. Nach einem Unfall eignet sich für eine länger haltende Lösung eher ein festes Kunstharz. Als Übergang nach einer Operation, wenn es vor allem ums Aussehen geht, reicht oft ein leichteres Gel. Die Praxis richtet sich dabei nach dem Zustand des Nagelbetts und nicht nach dem niedrigsten Preis.
Am Ende der Tragezeit feilt die Praxis den künstlichen Nagel vorsichtig ab oder weicht ihn auf. Reißen Sie ihn nie selbst ab. Sonst kann er Teile Ihres eigenen, noch dünnen Nagels mitreißen, und die Heilung dauert länger.
Wie lange dauert das Anbringen eines künstlichen Nagels?
Das Anbringen eines künstlichen Zehennagels dauert je nach Schaden 30 bis 60 Minuten. Bei den meisten Materialien läuft es ähnlich ab.
- Die Praxis sieht sich das Nagelbett an und prüft, ob etwas dagegen spricht, etwa Pilz oder eine Entzündung.
- Dann reinigt und desinfiziert sie das Nagelbett und den Rest des Nagels.
- Danach trägt sie eine Haftschicht auf, damit das Material sicher hält.
- Nun formt sie den Nagel aus Gel, Kunstharz oder Silikon.
- Gel härtet sie meist unter UV- oder LED-Licht aus.
- Zum Schluss feilt und poliert sie den Nagel und erklärt Ihnen, wie Sie ihn bis zum nächsten Termin pflegen.
Wer darf einen künstlichen Zehennagel anbringen?
Einen künstlichen Zehennagel bieten Podologiepraxen an, aber auch medizinische und kosmetische Fußpflegepraxen mit einer Fortbildung dafür. Diese Arbeit ist keine Leistung der Krankenkasse, und das Gesetz über den Beruf der Podologen behält sie ihnen nicht allein vor.
Das Oberlandesgericht Frankfurt hat entschieden, dass dieses Gesetz nur die Berufsbezeichnung schützt, nicht die Arbeit selbst. Auch wer keine Erlaubnis als Podologin oder Podologe hat, darf also künstliche Nägel anbieten. Er darf dabei nur nicht mit der geschützten Berufsbezeichnung werben.
Fachschulen bieten eigene Kurse für künstliche Fußnägel an, für Fußpflegekräfte und für Podologen. Ein solcher Abschluss ist keine staatliche Zulassung. Er zeigt aber, dass sich die Person mit Material, Vorbereitung und Hygiene befasst hat. Fragen Sie vor dem Termin nach einem Nachweis.
Wann raten Fachleute vom künstlichen Nagel ab?
Bei Nagelpilz kommt ein künstlicher Nagel nicht infrage, solange der Pilz aktiv ist. Unter dem Material bleibt es feucht, und der Pilz vermehrt sich dort leichter. Dasselbe gilt bei einer Entzündung des Nagelbetts oder wenn unklar ist, warum der Nagel kaputt ist. Der künstliche Nagel würde das Problem verdecken und die Behandlung verzögern.
Haben Sie eine starke Durchblutungsstörung der Beine, raten Fachleute grundsätzlich ab.
Bei Diabetes mit einem Nervenschaden, bei dem das Gefühl in den Füßen nachlässt, oder mit geschädigten Blutgefäßen prüft die Praxis besonders sorgfältig. Unter dem künstlichen Nagel kann Druck entstehen, den Sie nicht spüren.
Haben Sie am Nagelbett gerade Pilz, eine Entzündung oder einen Hautausschlag?
Lassen Sie zuerst die Ursache behandeln. Ein künstlicher Nagel würde sie verdecken und die Behandlung verzögern.
Haben Sie Diabetes mit Nerven- oder Gefäßschaden oder eine starke Durchblutungsstörung der Beine?
Lassen Sie sorgfältig prüfen, ob ein künstlicher Nagel für Sie passt. Oft raten Fachleute ab, weil Druckstellen darunter spät auffallen.
Ein künstlicher Nagel kommt infrage. Besprechen Sie vorher Material, Preis und wie oft er erneuert werden muss.
Was kostet Nagelprothetik am Zehennagel?
Ein künstlicher Zehennagel kostet in den Preislisten einzelner Praxen etwa 28 bis 100 Euro je Nagel. Eine feste Gebührenordnung gibt es nicht, weil er keine Leistung der Krankenkasse ist. Die Preise liegen weit auseinander. Manche Praxen rechnen den künstlichen Nagel als eigene Leistung ab, andere als Zusatz zu einer Fußbehandlung, die Sie ohnehin gebucht haben. Eine Praxis in Düsseldorf verlangt 28 Euro als Zusatz zu einer Fußbehandlung, eine andere ab 99 Euro je nach Material. Weitere Praxen nehmen 35 bis 48 Euro.
| Praxis | Preis je Nagel | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| Fusskundig, Düsseldorf | 28 Euro | als Zusatz zu einer Fußbehandlung |
| Podologie Wieseler | ab 99 Euro | je nach Material und Aufwand |
| Weitere Praxen | 35 bis 48 Euro | je nach Größe des Schadens am Nagel |
Fragen Sie vorher nach dem Preis je Sitzung. Fragen Sie auch, ob späteres Auffüllen schon drin ist oder extra kostet. Ihr eigener Nagel wächst unter dem künstlichen nach, deshalb muss die Praxis ihn regelmäßig anpassen.
Auf den Preis kommt in aller Regel Mehrwertsteuer. Steuerfrei ist eine Behandlung beim Podologen nur, wenn eine Ärztin sie veranlasst hat. Bei einem künstlichen Nagel, der vor allem dem Aussehen dient, ist das meist nicht so. Ein Preis mit Mehrwertsteuer ist also normal und kein Zeichen für eine unseriöse Praxis.
Warum zahlt die Krankenkasse keinen künstlichen Nagel?
Die Krankenkasse zahlt nur Fußbehandlungen, die auf ihrer festen Liste stehen, und nur mit Rezept. Ein künstlicher Nagel steht nicht auf dieser Liste. Er gehört auch nicht zur Nagelspange oder zum Kürzen der Nägel auf Rezept. Deshalb zahlen Sie ihn immer selbst, egal warum Ihr Nagel fehlt.
Auch Beihilfe und private Krankenversicherung zahlen einen künstlichen Nagel in aller Regel nicht. Fragen Sie im Einzelfall bei Ihrer Versicherung nach, bevor Sie sich darauf verlassen.
Häufige Fragen
Zahlt die Krankenkasse einen künstlichen Zehennagel?
Nein, die Krankenkasse zahlt keinen künstlichen Zehennagel. Er steht nicht auf der Liste der Fußbehandlungen, die sie mit Rezept bezahlt. Sie zahlen ihn deshalb immer selbst, egal warum der Nagel fehlt.
Wie lange hält ein künstlicher Zehennagel?
Ein künstlicher Zehennagel wird meist alle 4 bis 8 Wochen erneuert. Das hängt davon ab, wie schnell Ihr eigener Nagel darunter wächst und wie stark der künstliche belastet wird. Lassen Sie ihn in der Praxis abnehmen, statt ihn selbst abzureißen.
Bekomme ich bei Nagelpilz einen künstlichen Zehennagel?
Nein, bei aktivem Nagelpilz raten Fachleute von einem künstlichen Zehennagel ab. Unter dem Material vermehren sich die Pilze leichter, und die Behandlung wird verdeckt. Erst wenn der Pilz ausgeheilt ist und eine Ärztin das bestätigt hat, kommt ein künstlicher Nagel wieder infrage.
Muss ein künstlicher Zehennagel vom Podologen angebracht werden?
Nein, einen künstlichen Zehennagel dürfen auch geschulte Fußpflegepraxen anbringen, nicht nur Podologen. Das Gesetz schützt nur die Berufsbezeichnung Podologe, nicht diese Arbeit. Fragen Sie nach einem Nachweis über eine Fortbildung für künstliche Nägel.
Wie viel kostet ein künstlicher Zehennagel?
Ein künstlicher Zehennagel kostet in den Preislisten einzelner Praxen etwa 28 bis 100 Euro je Nagel. Eine feste Gebührenordnung gibt es nicht. Fragen Sie vorher, ob späteres Auffüllen und die Mehrwertsteuer im Preis enthalten sind.
Ist ein künstlicher Zehennagel bei Diabetes möglich?
Ein künstlicher Zehennagel ist bei Diabetes nur nach sorgfältiger Prüfung möglich. Bei Diabetes mit einem Nerven- oder Gefäßschaden raten Fachleute oft ab, weil Druckstellen unter dem künstlichen Nagel spät auffallen. Sagen Sie der Praxis deshalb offen, dass Sie Diabetes haben.
