Was ist eine Zehenorthese?
Eine Zehenorthese ist ein Stück Silikon, das die Podologiepraxis genau an Ihre Zehen anpasst. Es sitzt zwischen oder auf den Zehen und nimmt einer schmerzenden Stelle den Druck, etwa einem Hühnerauge zwischen den Zehen. Die Zehe selbst stellt die Orthese nicht ruhig, und Sie tragen sie im Schuh. Das Anfertigen solcher Orthesen gehört zu den Aufgaben der Podologie, also der medizinischen Fußpflege.
Die Praxis setzt eine Zehenorthese vor allem bei Fehlstellungen ein, die noch beweglich sind. Bei einer Hammerzehe ist das mittlere Gelenk der Zehe dauerhaft nach unten gebeugt. Bei einer Krallenzehe ist zusätzlich das Grundgelenk nach oben überstreckt. Auch bei einem beginnenden Hallux valgus setzt die Praxis Orthesen ein, also wenn die Großzehe zu den anderen Zehen hin abknickt.
Von einem Zehenpolster aus der Drogerie unterscheidet sich die Orthese durch die Passform. Die Praxis formt das Silikon direkt an Ihrem Fuß, und erst dort wird es fest. Das Polster aus der Drogerie ist dagegen fertige Ware in Standardgrößen. Die angepasste Orthese hält meist länger, kostet aber auch mehr.
Warum zahlt die Krankenkasse keine Zehenorthese vom Podologen?
Die Krankenkassen haben mit den Podologiepraxen eine feste Preisliste vereinbart. Darauf steht jede Leistung, die eine Praxis mit der Kasse abrechnen darf, etwa das Abtragen von Hornhaut, das Bearbeiten der Nägel, Nagelspangen in mehreren Bauarten und Hausbesuche. Eine Zehenorthese steht nicht darauf, auch nicht in der Fassung ab Juli 2026. Ohne Preis auf dieser Liste kann keine Krankenkasse die Orthese bezahlen, selbst wenn Ihre Arztpraxis ein Rezept ausstellt.
Bei einer fertigen Orthese aus dem Sanitätshaus ist das anders. Diese Orthese bezahlt die Krankenkasse, wenn Ihre Arztpraxis sie verschreibt. Ihr Eigenanteil beträgt 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Ab Januar 2027 steigt dieser Eigenanteil auf 7,50 bis 15 Euro.
| Frage | Silikonorthese vom Podologen | Orthese vom Sanitätshaus |
|---|---|---|
| Wer stellt sie her? | Die Podologiepraxis, von Hand aus Silikon | Eine Fabrik oder eine Werkstatt, aus festem Material |
| Brauchen Sie ein Rezept? | Nein | Ja, von Ihrer Arztpraxis |
| Wer zahlt ohne Rezept? | Sie selbst | Sie selbst |
| Wer zahlt mit Rezept? | Weiterhin Sie selbst | Die Krankenkasse, Sie zahlen den Eigenanteil |
| Für welche Zehen? | Zehen, die sich noch bewegen lassen | Auch Zehen, die schon steif sind |
In einer Berliner Praxis kostet die Orthese 90 Euro
Weil es keinen Kassenpreis gibt, legt jede Podologiepraxis ihren Preis selbst fest. Er hängt meist davon ab, wie viel Material und Zeit die Anfertigung braucht. Die Praxis Podologie Exklusiv in Berlin nennt auf ihrer Preisliste 90 Euro für eine Orthese. Wie aufwendig es wird, hängt von der Fehlstellung ab und davon, wie viele Zehen die Orthese umfasst.
Zum Vergleich gibt es einen Preis aus Österreich, wo ein anderes Kassensystem gilt. Dort nennt der Orthopädieschuhmacher Fuß & Schuh Scheidl für eine Silikon-Zehenorthese nach Maß 125 bis 160 Euro, je nach Aufwand.
Eine Zehenorthese passt nur zu beweglichen Zehen
Eine Silikonorthese wirkt nur, solange sich die Zehe noch bewegen lässt. Ist ein Gelenk schon steif, lässt es sich mit Silikon nicht mehr in eine bessere Stellung bringen, sondern höchstens vor weiterem Druck schützen. Bei einer offenen Stelle, einer Entzündung oder einer frischen Druckwunde behandelt zuerst die Arztpraxis die Wunde. Die Podologiepraxis prüft deshalb vor jeder Anfertigung, ob sich die Zehe noch von Hand bewegen lässt, und sagt es Ihnen, wenn eine Orthese nichts mehr bewirken würde.
In diesen Fällen kommt eine Zehenorthese infrage:
- Sie haben eine Hammer- oder Krallenzehe, deren Gelenke noch nicht steif sind.
- Sie haben einen beginnenden Hallux valgus, und die Großzehe lässt sich noch von Hand gerade stellen.
- Zwischen Ihren Zehen kommen Druckstellen oder Hühneraugen immer wieder, weil eine Zehe schief steht.
- Nach einer Behandlung in der Podologiepraxis soll dieselbe Stelle vor neuem Druck geschützt werden.
Die Praxis fertigt die Orthese in 5 Schritten
- Die Praxis prüft, welche Zehen betroffen sind, ob sie sich noch bewegen lassen und ob Sie Diabetes oder andere Vorerkrankungen haben.
- Sie rührt ein Silikon aus zwei Teilen direkt an Ihrem Fuß an und formt es um die Stelle, während es fest wird.
- Sie laufen mit der Orthese in Ihrem eigenen Schuh zur Probe, damit die Praxis Druckstellen gleich ausbessern kann.
- Sie erfahren, wie lange Sie die Orthese am Tag tragen, wie Sie sie reinigen und woran Sie eine Druckstelle erkennen.
- Nach einigen Wochen prüft die Praxis, ob die Orthese noch passt oder ob Sie wegen Abnutzung eine neue brauchen.
Halten Sie sich an die Tragezeit, die Ihnen die Praxis nennt, auch wenn Sie ungeduldig sind. Silikon braucht Zeit, um die Stellung der Zehe schonend zu verändern. Wer die Orthese am ersten Tag zu lange trägt, bekommt eher eine Druckstelle als einen schnelleren Erfolg.
Wie lange eine Orthese hält, hängt davon ab, wie oft Sie sie tragen. Im Straßenschuh nutzt sie sich schneller ab als zu Hause oder nachts. Ein Ersatz nach einigen Monaten ist üblich. Er kostet nicht unbedingt den vollen Preis, wenn die Praxis für Nacharbeiten einen günstigeren Preis hat.
Silikonorthese oder Orthese vom Sanitätshaus?
Welche Orthese zu Ihnen passt, hängt davon ab, wie beweglich Ihre Zehe noch ist und ob eine Wunde besteht.
Lässt sich die Zehe noch von Hand gerade stellen?
Eine Silikonorthese aus der Podologiepraxis ist geeignet. Sie zahlen sie selbst und brauchen kein Rezept.
Ist die Stelle offen oder entzündet?
Lassen Sie zuerst die Wunde in einer Arztpraxis behandeln. Danach klären Sie, ob eine Orthese infrage kommt.
Sprechen Sie mit Ihrer Arztpraxis über eine Orthese aus dem Sanitätshaus oder eine Operation. Silikon macht eine steife Zehe nicht wieder beweglich.
Häufige Fragen
Zahlt die Krankenkasse eine Zehenorthese vom Podologen?
Nein, eine Zehenorthese vom Podologen zahlt die Krankenkasse nicht, auch nicht mit Rezept. Die Krankenkassen haben dafür keinen Preis mit den Praxen vereinbart. Nur eine fertige Orthese aus dem Sanitätshaus kann die Krankenkasse bezahlen, und die bekommen Sie über Ihre Arztpraxis.
Was kostet eine Zehenorthese vom Podologen?
Eine Zehenorthese vom Podologen kostet zum Beispiel 90 Euro, so die Preisliste einer Praxis in Berlin. Den genauen Preis vereinbaren Sie vorher, er hängt von Material und Zeitaufwand ab. Eine feste Preisliste für Zehenorthesen gibt es nicht.
Was unterscheidet die Zehenorthese vom Podologen von der aus dem Sanitätshaus?
Die Zehenorthese vom Podologen formt die Praxis von Hand aus Silikon direkt an Ihrem Fuß, und Sie zahlen sie selbst. Die Orthese aus dem Sanitätshaus ist fertig hergestellt, Ihre Arztpraxis verschreibt sie, und die Krankenkasse zahlt sie bis auf Ihren Eigenanteil. Die Silikonorthese passt nur zu Zehen, die sich noch bewegen lassen.
Wie lange am Tag trage ich eine Zehenorthese?
Die Tragezeit einer Zehenorthese legt die Podologiepraxis nach der Anprobe fest, am Anfang meist nur einige Stunden am Tag. Silikon braucht Zeit, um die Stellung der Zehe schonend zu verändern. Wer die Orthese am Anfang zu lange trägt, bekommt eher eine Druckstelle.
Hilft eine Zehenorthese auch bei einer steifen Zehe?
Nein, eine Zehenorthese aus Silikon kann eine steife Zehe nicht mehr gerade stellen. Sie schützt dann höchstens vor zusätzlichem Druck. Sprechen Sie in diesem Fall mit Ihrer Arztpraxis über eine Orthese aus dem Sanitätshaus oder eine Operation.
Darf eine kosmetische Fußpflege eine Zehenorthese anfertigen?
Nein, eine Zehenorthese gehört zur medizinischen Fußpflege und damit in die Podologiepraxis. Die kosmetische Fußpflege darf sie nicht anfertigen. Suchen Sie für eine Zehenorthese deshalb gezielt eine Podologiepraxis.
